Nährwertkennzeichnung gemäß LMIV: Für wen gilt die Pflicht zur Nährwertdeklaration und wie erstellt man eine Nährwerttabelle mit Nährwertangaben?

LMIV Nährwertangaben Pflicht

Seit Dezember 2016 besteht eine Pflicht für (fast) alle vorverpackten Lebensmittel auf der Verpackung die Nährwerte auszuweisen. Das Gesetz, welches dies regelt, ist die EU Lebensmittel Informationsverordnung (LMIV). Das Ganze gilt also für alle Mitgliedsstaaten der EU. In einigen Bereichen der Verordnung dürfen die Mitgliedsstaaten diese Regelung dann noch verfeinern. In Deutschland passiert dies über die Lebensmittelinformations-Durchführungs-Verordnung (LMIDV). Darin wird u.a. geregelt wie z.B. Alergeninformationen beim Verkauf loser Ware (z.B. beim Fleischer, Bäcker oder im Restaurant) angegeben werden müssen. Zudem wird in der LMIDV definiert, mit welchen Strafen man bei einem Verstoß zu rechnen hat. In diesem Artikel erklären wir, wer von der Pflicht zur Nährwertkennzeichnung gemäß LMIV betroffen ist, wer davon verschont bleibt und wie man die Nährwerte für eigene Lebensmittel und Rezepturen im Labor oder eigenständige mit dem Rezeptrechner Online ermitteln kann.

Nährwerte Berechnen für Rezepte

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Nährwertangaben Pflicht für vorverpackte Lebensmittel

In diesem Artikel geht es insbesondere um die Nährwertangaben. Seit Dezember 2016 mit Inkrafttreten der LMIV ist demnach die Angaben von Nährwerte auf vorverpackten Lebensmitteln verpflichtend. Informationen im Hinblick auf die Pflicht zur Nährwertkennzeichnung umfassen dabei 7 Werte:

  • Energiegehalt
  • Fett
  • gesättigte Fettsäuren
  • Kohlenhydrate
  • Zucker
  • Eiweiß
  • Salz

Häufig kommt dabei auch die Frage auf, ob Salz oder Natrium auf der Verpackung stehen muss. Die Angabe Salz ist richtig und man kann sich das mühsame Umrechnen von Natrium zu Salz sparen (auf 100g Salz kommen in der Regel ca. 38.758 mg Natrium).

Die Informationen müssen in Tabellenform je 100g bzw. je 100ml angegeben werden. Die oben genanten Nährwerte werden häufig auch als sogenannte Big 7 Nährwerte bezeichnet. Darüber hinaus wird teilweise auch noch von den Big 8 Nährwerten gesprochen. Die Big 8 Nährwerte umfassen dann auch noch die Ballaststoffe, allerdings ist die Angabe der Ballaststoffe nicht verpflichtend.

Nährwertkennzeichnung Pflicht & Ausnahmen

Wie immer gibt es auch bei der Pflicht zur Nährwertkennzeichnung Ausnahmen. Ziel soll es hier natürlich nicht sein, sehr kleine Betriebe, die nur „lokal“ vermarkten, übermäßig zu belasten. Die Idee hinter den Ausnahmen ist es insbesondere kleine handwerkliche Betriebe wie Direktvermarkter (Hofläden, Wochenmarktvertrieb etc) zu verschonen. Diese Betriebe bieten in der Regel nur kleine Mengen an und geben diese unmittelbar an den Endverbraucher ab, sodass sich der Endverbraucher im Zweifelsfalls als beim Hersteller auch direkt informieren kann. Eine ganz klare Abgrenzung bezüglich des Begriffs „lokal“ gibt es dabei nicht. Aber es gibt natürlich einen Leitfaden mit folgenden Ankerpunkten. Demnach sind kleine, lokale Betriebe mit folgenden Kriterien von der Pflicht zur Nährwertkennzeichnung gemäß LMIV befreit:

  • Vertrieb nur in einem Umkreis von <50 km (teilweise auch bis 100km) – dies gilt nicht sofern die Abgabe auch in den Einzelhandel erfolgt!
  • vorverpackte Lebensmittel von Kleinstunternehmern (Betriebe mit < 10 Mitarbeitern) und < 2 Millionen Euro Jahresumsatz

Was ist mit Online Shops?

Sofern man ein kleiner Betrieb ist und obige Kriterien erfüllt, aber einen Online Shop anbietet und seine Waren auch im sogenannten Fernabsatz verkauft (zum Beispiel Online über Amazon oder auch über einen eigenen Online Shop), ist man von der gesetzlichen Nährwertkennzeichnungspflicht nicht ausgenommen. Beim Online Vertrieb ist man verpflichtet den Kunden bereits vor dem Kauf alle Pflichtangaben zu zur Verfügung zu stellen. Auf Amazon erfolgt dies häufig bereits in der Produktbeschreibung.

Die Tabellenform der Angabe der Nährwerte ist übrigens auch Pflicht. Nur in Ausnahmefällen (bei Platzmangel) dürfen die Angaben hintereinander aufgeführt werden.

Ausgenommen von der Pflicht zur Nährwerttabelle sind Lebensmittel ohne Verpackung

Folgende Waren sind von der Pflicht zur Nährwerttabelle befreit, da die Lebensmittel ohne Verpackung vertrieben werden:

  • lose Waren (z.B. Wurst an der Fleischtheke)
  • unverarbeitete Monoprodukte, die nur aus einer Zutat bestehen (z.B. Obst und Gemüse in seiner Reinform)
  • Kräuter & Gewürze
  • Wasser mit/ ohne Kohlensäure
  • Kaffee, Tee

Wozu diese Pflicht zur Nährwerttabelle?

Die Pflicht zur Nährwerttabelle soll primär den Verbraucher schützen und eine bessere Orientierung beim Einkauf geben. Dabei versucht man mit den obigen Ausnahmen eine Balance zu finden zwischen, einerseits möchte man dem Verbraucher maximal mögliche Transparenz geben, andererseits möchte man Betriebe nicht übermäßig belasten.

Wie kann man die Nährwerte für Lebensmittel ermitteln?

Lebensmittel Analyse

Um die Nährwerte eines Lebensmittels zu ermitteln ist die zuverlässigste Methode ein Lebensmittellabor zu beauftragen. Dazu wird eine Probe des Lebensmittels an das Labor geschickt. Innerhalb von 10 Tagen nach Versand erhält man dann einen Bericht mit den gewünschten typischen 7 oder 8 (inklusive Ballaststoffe) Nährwertangaben. Die Kosten pro Analyse liegen dabei bei ca. 350 €. Wer viele Produkte besitzt oder regelmäßig Rezepturen anpasst, wird hier allerdings schnell einen großen Kostenblock produzieren. Bei den Laboren kann man auch die Nährwerte nur berechnen lassen, sofern es sich um einfache Rezepturen handelt. Die Kosten für solch eine Berechnung belaufen sich auf 45 € pro Rezept. Das ist allerdings nicht notwendig sofern man weiß, wie die Berechnung erfolgen muss, kann man diese auch selbst durchführen. Die Verantwortung für die Nährwertdeklaration und Richtigkeit der Angaben liegt hier aber natürlich immer beim Hersteller bzw. Betrieb.

Eigene Berechnung der Nährwerte

Wer sich für die eigene Berechnung der Nährwerte entscheidet, dem wird empfohlen „allgemein nachgewiesene und akzeptierte Daten“ als Quelle für die Nährwertangaben zu verwenden. Dies betrifft natürlich insbesondere natürliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse. Da aber insbesondere bei diesen Lebensmitteln die Nährwertangaben auch je nach Sorte und Reifegrad schwanken können, erlaubt die LMIV auch gewisse Toleranzgrenzen für die Nährwertangaben Pflicht (mehr dazu im nächsten Abschnitt). Wer für die eigene Herstellung von Lebensmitteln auf Lebensmittel von anderen Lieferanten zugreift, der kann beim jeweiligen Lieferanten die Nährwertangaben je 100g anfragen da diese ja der der gleichen Pflicht unterliegen. Häufig sind die Nährwertangaben auch bereits auf den Lieferscheinen vermerkt. Mit dem Rezeptrechner Online ermöglichen wir das einfache Hinterlegen von eigenen Zutaten der Lieferanten und vereinfachen somit die komplexe Berechnung der Nährwertangaben in Excel.

Nährwerte Ermitteln mit dem Rezeptrechner

Nährwerte für eigene Lebensmittel und Rezepturen kann man schnell und einfach mit dem Rezeptrechner Online berechnen.

Die Berechnung der Standard Nährwerte (Kcal, Eiweiß und Fett) ist dabei kostenlos (und auch als App für IOS und Android verfügbar).

Für die Berechnung der Big 7 Nährwerte (inklusive Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz) für eine vollständige Nährwerttabelle ist ein Rezeptrechner PRO Zugang erforderlich. 

Toleranzgrenzen der Nährwertkennzeichnung

Der Rezeptrechner nutzt Nährwertangaben, die auf Durchschnittswerten ähnlicher Zutaten basieren. Die Nährwerte unterscheiden sich je nach Hersteller häufig. Auch für natürliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse können die Nährwerte je nach Reifegrad abwichen. Aus diesem Grund sieht der Leitfaden zur Nährwertkennzeichnung gemäß LMIV auch gewisse Toleranzgrenzen vor, innerhalb derer sich die Nährwertangaben bewegen dürfen.

Die Empfehlung geht davon aus, dass Abweichungen der Angaben vom analytischen Laborwert hinsichtlich der geforderten Angaben um 10 bis 20 Prozent zu tolerieren sind.

Quelle: https://www.demeter.de/sites/default/files/richtlinien/demeter_erzeuger_merkblatt_naehrwertangaben.pdf